Vier-Länder-Turnier in Antwerpen
Am letzten Oktoberwochenende fand im belgischen Antwerpen ein Jugend-Ländervergleich statt. Neben Gastgeber Belgien gingen Teams aus den Niederlanden, Großbritannien und Deutschland an den Start. Aus unserem Verein waren Justus Werner und Tom Dittrich für Deutschland mit dabei.
Hier der ausführliche Bericht vom Betreuer des deutschen Teams Raiko Siebarth:
Das “Museum ann de Strom“ in Antwerpen/ Belgien war an dem Wochenende 28.-30.10. 11 nicht nur von vielen Museumsbesucher betreten worden, sondern vier Länder (Belgien, Deutschland, England und Niederlande) ermittelten im achten Stock des MAS die stärkste Nation. Dieses Staaten – Quartett spielte mit jeweils 10 Kindern (4x U16 + 4x U14 + 2x U12, davon mind. 2 Mädchen) insgesamt 6 Runden mit einer Bedenkzeit von je 45 Minuten pro Spieler/in. Am Freitag war Anreisetag für fast alle Schacheleven. Die 6 Runden wurden wie folgt aufgeteilt: 4 Partien am Samstag und 2 Partien am Sonntag. Die deutsche Auswahl wurde von 2 spielstarken, deutschsprachigen Belgiern unterstützt:
Brett Name, Vorname Altersklasse 1 Flüchter, Georg U16 2 Stolcz, Bianca U16 3 Dorr, Yannick (BEL) U16 4 Hans, Lysander (BEL) U16 5 Gretz, Denis U14 6 Werner, Justus U14 7 Schwind, Clara U14 8 Belizaire, Jeannine U14 9 von Schlippe, Nikolai U12 10 Dittrich, Tom U12 Nach einer kurzen Begrüßung in allen vier Sprachen fanden sich alle 4 Teams zusammen und die Teamchefs lösten noch alle bestehenden „Problemchen“. Leider herrschte ein wenig Platznot im Turnierareal, daher bleib eine kurze Analyse der Partien aus.
In der ersten Runde traf man auf die sehr starke Auswahl von Belgien. Wir hatten zunächst an allen Brettern Schwarz.
Dieser Kampf wurde sehr deutlich mit 0,5 – 9,5 Pkt. verloren, nur ein Belgier (Lysander) rettete die Ehre der deutschen Delegation.
Danach gab es einen kleinen Mittagssnack. Dieser bestand aus selbstbelegten Baguettes, einem Saftpaket und einem Schokoriegel und wurde sehr liebevoll von den Ausrichtern verpackt.
Nachdem das Debüt dieser Truppe ein wenig daneben ging, musste nun wieder Mut zugesprochen werden und man begab sich an die Brettseite mit den weißen Steinen gegen die Niederlande. „Es kann nur noch besser werden…“
Unsere gute „belgische Ausleihe“ Lysander machte den ersten Sieg für Deutschland klar. Darauf folgten noch einige Remis und man verlor nur 2,5 – 7,5 Pkt. gegen die dominanten Niederländer.
Eine kritische Entscheidung musste an Brett 5 geklärt werden:
In dieser Stellung waren die nächsten 5-15 Züge folgende: 74. La4 Kf5 75. Lb3 Ke5 und so weiter…
Von Weiß aus gesehen steht die Schachuhr auf der linken Seite und die beiden Züge La4 sowie Lb3 liegen dort in der Nähe. Daher gewann Denis etwas unfair auf Zeit. Im Schnellschach gibt es den Artikel 10.2 der Fide – Turnierordnung nicht und somit wäre der Punkt für Denis legal gewesen. Meines Erachtens war dieses Ergebnis nicht sportlich anständig und folglich gab ich diese Partie Remis.
Aufgrund der Tatsache, dass diese Partie von Denis eine wahre Zeitschlacht war, gab es für Denis und seiner Gegnerin eine Minute Pause…
In dem letzten Kampf der Hinrunde gegen England sah es lange nach dem ersten Mannschaftspunkt oder sogar nach den ersten Mannschaftspunkten für Deutschland aus. Die beiden jüngsten Deutschen Nikolai und Tom hatten ihre beiden englischen Kontrahenten völlig unter Kontrolle. Jeannine und Lysander standen klar besser, Justus hatte ein gewonnenes Endspiel auf dem Brett und Denis hatte schon sehr glücklich Remis geschafft. In kürzester Zeit wurden einige Gewinnstellungen in das Gegenteil umgewandelt und Tom hatte sogar noch Glück, dass er sein Endspiel gewonnen hat:
Weiß am Zug machte zum Glück c5. Hätte Weiß erst auf g4 getauscht, dann den schwarzen A-Bauer genommen, dann wäre ein Remisendspiel auf dem Brett gewesen, weil Dame gegen Läuferbauer zum Unentschieden führt.
Mit viel Pech und einer sehr fragwürdigen Endspieltechnik von Justus verloren wir den Kampf unnötigerweise mit 2,5 – 7,5 Pkt., infolgedessen wollten wir uns nicht geschlagen geben und wollten uns in der Rückrunde revanchieren.
Die letzte Runde am Samstag war der Rückkampf gegen Belgien.
Diesmal sollte alles besser werden, da wir nun alle Weiß hatten.
Jedoch gab es nur sehr kurze Pausen zwischen den Partien und der Toilettengang (im wahrsten Sinne des Wortes) musste warten. Dieser musste während der Partie nachgeholt werden, die Toiletten waren unvorteilhaft im ersten und nullten Stock des Museums zu finden. Ein weiteres Manko der Spielstätte waren die Rolltreppen zwischen den Etagen; es gab zwar Aufzüge, diese waren aber nur für die Angestellten. Das hieß, dass die Kinder ca. 8 Minuten für ihre Pinkelpausen einplanen mussten. In diesem Wettkampf mussten 3 Spieler von uns auf Toilette, daher bat ich darum, dass der Schiedsrichter in dringenden Fällen vielleicht die Uhren anhalten könnte, was leider nicht möglich war.
Diese kleine Anekdote soll trotzdem nicht die Niederlage von 2,5 – 7,5 Pkt. gegen die Gastgebernation erklären. Wir hatten einfach keine wirkliche Chance. Etwas Schönes gab es noch in dieser Runde. Der junge Großmeister Anish Giri besuchte das Turnier und sein Fan Tom ergatterte ein Erinnerungsfoto mit ihm.
Nun durften unsere Spieler/innen wieder zu ihren Gastfamilien bzw. Unterkünfte und diesen anstrengenden Tag hinter sich lassen.
Am darauffolgenden Sonntag begann es ebenfalls um 11 Uhr. Wir konnten aber eine Stunde länger schlafen, wie kommt das?! Richtig, in der Nacht zum Sonntag wurde auf die Winterzeit (von 3 Uhr auf 2 Uhr) umgestellt.
Deutschland musste gegen den derzeitigen Tabellenführer Niederlande mit den schwarzen Steinen ran. Jedoch konnten wir gegen den Turnierprimus nichts ausrichten und verloren hochverdient mit 1 – 9 Pkt.
Nun folgte wieder ein kleiner Mittagsimbiss mit belegten Brötchen.
Im letzten Aufeinandertreffen der 4 – Nationen war England unser Gegner, gegen wen wir in der Hinrunde schon hätten punkten müssen.
Nach der neuen Vorgabe, dass jede/r in einer guten bzw. gleichen Stellung Remis anbieten soll, konnten wir lange auf die ersten Mannschaftspunkte hoffen. Leider verloren wir wieder etwas unverdient gegen das britische Königreich mit 4,0 – 6,0 Pkt.
Das eigentliche Highlight in der Zeit der letzten Runde war das Simultan von Anish Giri gegen 30 auserwählte Gegner. Wir konnten live miterleben wie ein Junge mit 2714 ELO eine Partie verlor und die anderen 29 Partien für sich entschied.
Gegen 16.30 Uhr folgte nun die Siegerehrung, welche von den Ausrichtern, also das Team von „Go for Grandmaster“, und Anish Giri durchgeführt wurde. Jeder anwesende Spieler bzw. jede anwesende Spielerin durfte diesem Schachtalent einmal die Hand schütteln, ein sehr inspirierender Moment.
Daraufhin verabschiedeten sich alle Teamkameraden bzw. – kameradinnen von einander und von ihren Gastfamilien und man konnte sich auf die Heimreise begeben.
Hiermit möchte ich mich im Namen der DSJ für die gezeigte Disziplin und die Hingabe aller Betreuer sowie Eltern für dieses tolle Turnier bedanken.
Brett Name, Vorname Punkte 1 Flüchter, Gregor 2,0 2 Stolcz, Bianca 0,5 3 Dorr, Yannick (BEL) 2,5 4 Hans, Lysander (BEL) 3,5 5 Gretz, Denis 2,0 6 Werner, Justus 0,5 7 Schwind, Clara 0 8 Belizaire, Jeannine 0 9 von Schlippe, Nikolai 0,5 10 Dittrich, Tom 1,5 Raiko Siebarth
Hier noch ein paar Eindrücke vom Turnier: 



© 2011, Georg. All rights reserved.

